Der große Spanien-Überlebensguide

Spanien erlebt ein verheerendes Unwetterwochenende. Die DANA „Adam“ hat mindestens zwei Menschenleben gefordert, zahlreiche Städte unter Wasser gesetzt und die Rettungsdienste mit mehr als 1.000 Einsätzen beschäftigt. Besonders betroffen sind die Valencianische Gemeinschaft, Katalonien, Andalusien und die Balearen. Auch am heutigen Montag, dem 19. Oktober, bleibt die Lage angespannt: Neue Starkregenwarnungen, gesperrte Straßen und Schulschließungen prägen den Wochenbeginn.

Die schweren Unwetter haben an der spanischen Mittelmeerküste eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Innerhalb weniger Stunden fielen mancherorts mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter. Straßen verwandelten sich in reißende Wasserläufe, Flughäfen mussten ihren Betrieb zeitweise unterbrechen und Tausende Menschen wurden durch Warnmeldungen des spanischen Bevölkerungsschutzes aufgefordert, ihre Häuser möglichst nicht zu verlassen.

Besonders dramatisch ist die Bilanz der vergangenen beiden Tage: Zwei Frauen verloren im Zusammenhang mit den Unwettern ihr Leben. Gleichzeitig müssen sich die Menschen in mehreren Regionen Spaniens auf weitere heftige Niederschläge einstellen.

Tragödie in Katalonien: Mutter von zwei Kindern von Wassermassen mitgerissen

In Cabrera del Mar, nordöstlich von Barcelona, kam eine 35-jährige Frau ums Leben, nachdem sie am Samstagabend von einem angeschwollenen Bach mitgerissen worden war.

Die Frau hatte gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern eine Basketballveranstaltung besucht. Wegen der heftigen Regenfälle waren die Besucher aufgefordert worden, die Sporthalle vorerst nicht zu verlassen.

Dennoch verließ die Familie das Gebäude. Auf einer überfluteten Straße geriet die Frau gegen 19:30 Uhr in einen Wasserlauf und wurde von der starken Strömung fortgerissen.

Eine groß angelegte Suchaktion begann. Insgesamt 18 Feuerwehrmannschaften, die katalanische Regionalpolizei Mossos d’Esquadra, örtliche Polizeikräfte und die Seenotrettung beteiligten sich daran.

Am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr fanden Einsatzkräfte die Leiche der Frau im Hafen von Premià de Mar. Die Wassermassen hatten sie rund sechs Kilometer weit mitgerissen.

Der Bürgermeister von Cabrera del Mar, Óscar Fernández, kündigte einen Trauertag und eine Schweigeminute an. Auch Kataloniens Regionalpräsident Salvador Illa sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

Insgesamt registrierten die katalanischen Rettungsdienste 430 Notrufe und 337 wetterbedingte Einsätze. Besonders betroffen waren die nördlichen und küstennahen Gebiete der Provinz Barcelona.

Auch der Flugverkehr wurde erheblich beeinträchtigt. Am Flughafen Barcelona-El Prat mussten bis zu 45 Flüge gestrichen werden. Der Regionalbahnverkehr Rodalies, der am Samstagabend wegen wetterbedingter Schäden unterbrochen worden war, wurde am Sonntag wieder aufgenommen.

Zweites Todesopfer in Valencia: Frau stirbt bei gefährlichem Wellengang

Auch in der Valencianischen Gemeinschaft endete das Unwetter für eine Frau tödlich.

Am Strand von Corinto in Sagunto war eine Badegästin trotz der gefährlichen Wetter- und Meeresbedingungen ins Wasser gegangen. Nachdem sie verschwunden war, begann eine Suchaktion, die durch den starken Wellengang erheblich erschwert wurde.

Ihre Leiche wurde später am Strand von Canet d’En Berenguer gefunden.

Währenddessen erreichten die Niederschlagsmengen in Teilen der Provinz Valencia außergewöhnliche Werte.

Gemessene Regenmengen am Sonntag in der Region La Safor

Real de Gandía217,6 l/m²
Rafelcofer213,4 l/m²
Benirredrà201,4 l/m²

Messwerte des valencianischen meteorologischen Netzwerks Avamet.

In Pego in der Provinz Alicante wurden innerhalb von nur 45 Minuten rund 85 Liter Regen pro Quadratmeter registriert. Auch in Dénia kam es zu Überschwemmungen.

Das valencianische Notfallkoordinierungszentrum bearbeitete 236 wetterbedingte Vorfälle. Davon entfielen 145 auf Alicante, 87 auf Valencia und vier auf Castellón.

Besonders gefährdet waren überflutete Straßen, Unterführungen, Flussbetten und die für Südostspanien typischen Barrancos, die bei Starkregen innerhalb weniger Minuten zu lebensgefährlichen Wasserläufen werden können.

Die Behörden verschickten ES-Alert-Warnungen auf Mobiltelefone und forderten die Bevölkerung auf, unnötige Fahrten zu vermeiden.

Balearen im Ausnahmezustand: Militärische Notfalleinheit mobilisiert

Auch auf den Balearen sorgte die DANA Adam für dramatische Situationen.

Ibiza und Formentera befanden sich am Sonntag zeitweise unter der höchsten Regenwarnstufe Rot. Auf Mallorca galt ebenfalls eine erhöhte Alarmbereitschaft.

Besonders heftig traf es Formentera. Dort wurden zwischen 8 und 9 Uhr morgens 97,4 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Innerhalb von 24 Stunden summierten sich die Niederschläge auf 122,8 Liter.

Angesichts der zunehmenden Überschwemmungsgefahr wurde die militärische Notfalleinheit UME mobilisiert. Einheiten des dritten Bataillons aus Valencia wurden für Einsätze auf Ibiza und Mallorca bereitgestellt.

Die balearische Regierung aktivierte für Ibiza und Formentera den Hochwasser-Sonderplan INUNBAL in Einsatzstufe 2.

Innerhalb von nur 25 Minuten erhielten die Einwohner der beiden Inseln zwei ES-Alert-Warnungen. Die Behörden riefen zunächst zu größter Vorsicht auf. Anschließend wurden sämtliche sportlichen, sozialen und kulturellen Aktivitäten im Freien ausgesetzt.

Auch der internationale Flughafen Ibiza war massiv betroffen. Der Betrieb musste zweimal unterbrochen werden.

Die Folgen für den Flugverkehr: 27 gestrichene Flüge und 16 Umleitungen.

Die Zufahrtsstraße zum Flughafen wurde wegen Überschwemmungen gesperrt. Alternative Verbindungen wurden eingerichtet.

Bis Sonntagnachmittag verzeichnete der balearische Notrufdienst 112 insgesamt 87 Vorfälle, darunter überschwemmte Gebäude, umgestürzte Bäume und Schäden an der städtischen Infrastruktur.

Andalusien: Überschwemmte Straßen, beschädigtes Gesundheitszentrum und gesperrte Verkehrswege

Die schweren Regenfälle beschränkten sich nicht auf die Ostküste Spaniens.

Auch Andalusien wurde von heftigen Gewittern getroffen. In Teilen von Sevilla, Málaga, Cádiz, Almería und Granada galten orangefarbene Wetterwarnungen. Erwartet wurden örtlich bis zu 50 Liter Regen innerhalb einer Stunde.

Die andalusischen Rettungsdienste registrierten seit Beginn des Unwetters 357 Vorfälle.

In Málaga stürzte im Stadtteil El Palo ein Teil der Decke eines Gesundheitszentrums ein. Verletzt wurde dabei niemand.

In Algeciras in der Provinz Cádiz wurden Teile des Hafens und mehrere Straßen überflutet. Die Stadtverwaltung aktivierte Phase 1 ihres kommunalen Notfallplans.

Auch in El Cuervo bei Sevilla kam es zu erheblichen Problemen. Überlaufende Bäche beeinträchtigten den Verkehr auf der Autobahn AP-4.

In Motril musste die andalusische Halbmarathon-Meisterschaft abgesagt werden. Rund 2.500 Läufer hatten sich für die Veranstaltung angemeldet.

Murcia und Almería: Weitere Starkregenfälle erwartet

Auch die Region Murcia und die Provinz Almería standen im Mittelpunkt der Wetterwarnungen.

Der spanische Wetterdienst AEMET warnte vor starken und anhaltenden Regenfällen. Für Murcia wurden seit Beginn der Unwetter 122 Einsätze gemeldet.

Am Montag gilt in Murcia und Teilen von Almería weiterhin die Warnstufe Orange. Örtlich können bis zu 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde fallen.

Darüber hinaus werden Gewitter und starke Schauer in Ceuta und Melilla erwartet. In Extremadura wurden für Teile der Provinz Badajoz gelbe Regenwarnungen ausgegeben.

Montag, 19. Oktober: Unterricht für mehr als 87.000 Schüler abgesagt

Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf den Schulbetrieb.

In der Valencianischen Gemeinschaft haben 42 Gemeinden beschlossen, den Unterricht am Montag vorsorglich auszusetzen. Betroffen sind mehr als 87.000 Schülerinnen und Schüler.

Zu den betroffenen Orten zählen unter anderem Gandía, Oliva, Cullera, Algemesí, Carcaixent, Tavernes de la Valldigna, Pego, Dénia, Jávea, Calpe, Altea und Benissa.

Auch in weiteren Gemeinden der Provinzen Valencia und Alicante bleiben Bildungseinrichtungen geschlossen oder der Unterricht wird zeitweise ausgesetzt.

Die Universität Valencia und die Polytechnische Universität Valencia hatten bereits zuvor ihre Notfallmaßnahmen verschärft und Präsenzveranstaltungen sowie andere Aktivitäten eingeschränkt.

Auf den Balearen ordnete die Regionalregierung ebenfalls die Aussetzung des Unterrichts auf Mallorca, Ibiza und Formentera an.

Regionalpräsidentin Marga Prohens begründete die Entscheidung mit den Empfehlungen der Rettungs- und Katastrophenschutzbehörden.

Familien wurden aufgefordert, die offiziellen Mitteilungen ihrer Schulen und der zuständigen Behörden zu beachten.

Neue Unwetterwarnungen: Mallorca, Alicante und Valencia besonders gefährdet

Die Wetterlage bleibt auch am Montag gefährlich.

An der Südküste der Provinz Valencia und im Norden der Provinz Alicante war die höchste Warnstufe Rot zunächst bis 10 Uhr vorgesehen. Anschließend sollte sie auf Gelb herabgesetzt werden.

Auf den Balearen wurden für Mallorca, Ibiza und Formentera weitere intensive Niederschläge prognostiziert.

Für die Pityusen, zu denen Ibiza und Formentera gehören, wurden Regenmengen von bis zu 160 Litern pro Quadratmeter erwartet. Auf Mallorca könnten es bis zu 140 Liter werden.

Im Tagesverlauf sollen die Niederschläge in einigen Gebieten nachlassen. Gleichzeitig könnte sich die Unwetteraktivität erneut nach Katalonien verlagern, wo zwischen Montagnachmittag und Dienstag weitere sehr starke Schauer möglich sind.

Der katalanische Zivilschutz hält deshalb seinen Hochwassernotfallplan INUNCAT in erhöhter Bereitschaft.

Mehr als 1.000 Unwettereinsätze – Behörden warnen vor lebensgefährlichen Situationen

Die Gesamtbilanz verdeutlicht die Dimension des Unwetters. Allein die gemeldeten Einsätze in Katalonien, der Valencianischen Gemeinschaft, Andalusien, Murcia und auf den Balearen summieren sich auf mehr als 1.100 wetterbedingte Vorfälle.

Die Behörden warnen besonders davor, überflutete Straßen oder ausgetrocknete Flussbetten zu überqueren.

Auch scheinbar geringe Wasserstände können gefährlich werden, wenn die Strömung stark ist oder der Untergrund nicht mehr erkennbar bleibt.

Für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten gelten weiterhin die zentralen Sicherheitshinweise:

  • Überflutete Straßen, Unterführungen und Barrancos nicht durchqueren.
  • Unnötige Autofahrten während der Starkregenphasen vermeiden.
  • Abstand zu Flüssen, Bächen, Küstenabschnitten und überschwemmten Promenaden halten.
  • ES-Alert-Warnungen auf Mobiltelefonen beachten.
  • Aktuelle Mitteilungen von AEMET, 112 und den zuständigen Regionalbehörden verfolgen.

Nach einem Wochenende mit zwei Todesopfern, schwerwiegenden Überschwemmungen und massiven Verkehrsbehinderungen steht Spanien damit vor einem weiteren Tag erhöhter Unwettergefahr.

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