Die schönsten Reiseziele in Nordspanien für Wein- und Genusstouren finden
Es gibt zahlreiche gute Gründe, um Urlaub in Spanien zu machen. Die meisten haben etwas mit Mittelmeer, Barcelona oder Madrid zu tun. So schön diese sonnenverwöhnten Destinationen auch sind, Spanien hat noch so viel mehr zu bieten. Den grünen Norden zum Beispiel, den die hitzegeplagten Spanier als Sommerurlaubsziel sehr zu schätzen wissen, der außerhalb Spaniens aber gerne vergessen wird. Das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galicien liegen zwischen dem Atlantik und dem Kantabrischen Gebirge und erfreuen sich ganz eigenständiger klimatischer Bedingungen.
Das Besondere am Norden Spaniens sind nicht nur die milderen Temperaturen, sondern auch die gastronomische Vielfalt und die reiche Weinkultur. Wusstest du, dass es fast 150 verschiedene spanische Weinbaugebiete gibt? Spanien ist mit aktuell knapp 930.000 Hektar Weinbergen das größte Weinbauland der Welt. Das Land beherbergt eine große Vielzahl an unterschiedlichen Kulturräumen, Weinbautraditionen und Weinstilen, die Hand in Hand gehen mit der regionalen Küche. Und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass viele der besten und spannendsten Weinbauregionen im Norden Spaniens liegen (zu dem übrigens auch Rioja und Katalonien zählen, auch wenn der spanische Nordosten bei weitem nicht so grün ist wie die atlantisch geprägten Regionen im Westen).
Es lebe die Vielfalt!
Unter Weinfans und Profis herrscht Einigkeit: die Qualität der spanischen Weine war in der Breite noch nie so gut wie heute. Nicht zuletzt die Rebsäfte aus dem Norden legen dafür ein beredtes Zeugnis ab. Rioja und Ribera del Duero kennen alle – zurecht! Aber auch die frischen atlantischen Weißweine aus Galicien, die edel-rustikalen Bierzo-Weine, die überraschenden Tropfen aus Asturien, aus seltenen Rebsorten, die es nur dort gibt – sie alle erzählen eine eigene Geschichte, die dazu einlädt, sie mitzuerleben.
Spanien ist das Land der Gegensätze, was die Entdeckungsreisen noch spannender macht. Damit ist nicht nur der Gegensatz zwischen dem üppig-grünen Norden und dem heißen, trockenen Süden gemeint, sondern auch der zwischen den Generationen. Rioja bspw. ist das Sinnbild für Tradition und gleichzeitig erfindet es sich neu mit einem fruchtbetonteren, frischeren Weinstil. Alte Rebstöcke und jahrhundertealte Keller treffen auf junge Generationen, die mit neuen Ideen, nachhaltigen Anbaumethoden und „modernen“, aber eigentlich sehr ursprünglichen Ausbaustilen arbeiten. Gerade diese Mischung vor Ort zu erleben, die Begeisterung der Menschen zu spüren, die jeden Tag mit Herzblut im Weinberg und Keller stehen, macht Weinreisen so interessant und erweitert das Verständnis für dieses handwerkliche Produkt.
Alles eine Frage der Perspektive
Bei einer Weintour geht es natürlich um Wein, aber auch um so viel mehr. Der Wein ist quasi eine neue Perspektive, aus der eine Region betrachtet wird. Der Wein und der Weinbau ist in vielen Ecken Spaniens ein prägendes Element, das die Landschaft, Wirtschaft und Kultur ganzer Region bestimmt hat. Durch den Wein erfahren wir von historisch bedeutsamen Ereignissen, wie und warum sich bestimmte Kulturlandschaften und Anbaumethoden geformt haben, warum bestimmte Gerichte genau hier entstanden sind und weshalb bestimmte Traditionen aufkamen und bis heute gepflegt werden. Wir lernen das besondere Klima einer Region kennen und welche Pflanzen und Tiere sich hier wohl fühlen. Wusstest du beispielsweise, dass die Weinberge des in den Bergen (ab)gelegenen asturischen Weinbaugebiets Cangas gerne von Bären besucht werden, die mit ihren geschickten Tatzen die Trauben von den Reben zupfen, ohne dass auch nur eine Beere auf den Boden fällt? Aber keine Sorge, wenn sie menschliche Stimmen hören, dann verschwinden sie ganz von alleine. Wer sich auf eine Weinreise einlässt, taucht tiefer ein – nicht nur ins Glas, sondern auch in das, was das wirkliche Leben vor Ort ausmacht.
Wein als Türöffner zu Landschaft, Küche und Menschen
Nicht wegzudenken bei einer Weintour durch Nordspanien ist die regionale Küche – die Gastronomie ist fester Teil dieser Erfahrung. Wein und Essen sind in Spanien bekanntermaßen eng miteinander verbunden: die jeweiligen regionalen Gerichte aus lokalen Produkten, saisonale Spezialitäten und überlieferte Rezepte entfalten im Zusammenspiel mit den lokalen Weinen ihren ganzen Zauber.
Jede Region hat ihre Besonderheit: Höhlengereifter Käse aus den Picos de Europa, die zum Weltkulturerbe gekrönte Sidrakultur in Asturien oder die immer noch gepflegte Tradition des Marisqueo in den Rias Baixas, dem handwerklichen Muschelfischen, bei dem die Marisquadoras und Marisquadores (Muschelsammler/innen) bei Ebbe mit ihren Keschern und kleinen Eimerchen den Meeresboden durchsieben – die „Erntemenge“ ist dabei streng reglementiert.
Wenn du all dies vor Ort selbst erlebst, betrachtest du es mit anderen Augen – und der Genuss steigert sich unglaublich. Die rustikale Küche auf dem Land sowie die modernen Interpretation urbaner Gastronomen, alle Spielarten der regionalen Küche haben ihre Berechtigung. Denn sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Geschmack einer Region authentisch mit dem Gaumen erlebbar machen.
Nordspanien ist voller lohnender Reiseziele
Spanien bietet für Weinreisende nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und jedes einzelne Weinbaugebiet lohnt, erkundet zu werden. Dabei ist der Norden des Landes ein Tipp für alle, die auch gerne mal abseits stark frequentierter Orte unterwegs sind und das authentische Spanien erleben möchten. Und ja, auch hier scheint gelegentlich die Sonne.
Was die Planung einer solchen Reise angeht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Im Internet finden sich viele Informationen zu Reisezielen, Herstellern, Kulturangeboten und mehr. Wer insbesondere einen Bezug zu Wein und lokalen Spezialitäten sucht, sollte vor allem die digitalen Adressen der regionalen „Marketingverbände“ aufsuchen. Das klingt erstmal merkwürdig, aber liefert wertvolle Hinweise und Tipps. In fast jeder Region haben sich Weingüter, Restaurants, Hotels und Museen zu regionalen Weinrouten, Käserouten oder Ähnlichem zusammengeschlossen und tolle touristische Angebote entwickelt, über die auf den entsprechenden Webseiten informiert wird. So findet man nicht nur, was man sucht, sondern manchmal auch noch mehr.
Eine gute Alternative ist es, geplante Reisen zu buchen, die für Selbstfahrer oder Gruppen entwickelt werden, so wie bei destino:vino, einem jungen, auf Nordspanien spezialisierten Anbieter für Weinreisen in Spanien. Der Vorteil solcher Reiseformate ist nicht nur, dass viel Planungsaufwand eingespart werden kann, sondern vor allem, dass die von Landeskundigen geplanten Reisen häufig spannendere Ziele ansteuern. Denn nicht immer sind die schönsten Orte und besten Weingüter in den 10 ersten Ergebnissen der Suchmaschinen vertreten.
Spanien neu entdecken, Schluck für Schluck
Ob alleine, selbstorganisiert oder im Rahmen einer geführten Gruppenreise: Weinreisen sind eine Einladung, Spanien langsamer und bewusster zu entdecken. Sie verbinden Genuss mit Wissen, Landschaft mit Begegnungen und Tradition mit Gegenwart. Auch sensorisch eröffnen sich neue Horizonte: unbekannte Rebsorten, regionale Stilistiken und Weine, die man außerhalb Spaniens nur selten findet. Wer sich darauf einlässt, nimmt nicht nur neue (Geschmacks-)Erlebnisse mit nach Hause, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Vielfalt und den Charakter der spanischen Regionen.
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Über den Autor:
Sascha Brandenburg lebt und arbeitet in Nordspanien, genauer gesagt im schönen Asturien. Der ausgebildete Politikwissenschaftler und Sommelier widmet sich seit Jahren mit Begeisterung der Welt des Weins und des Reisens. Er schreibt regelmäßig für das Weinmagazin TodoVino und hat die Reiseagentur destino:vino gegründet mit dem Ziel, besondere Natur- und Weinerlebnisse in Nordspanien erlebbar zu machen. Mehr Informationen unter www.weinreisespanien.de











