In Spanien zeichnet sich bei der Adoption von Haustieren ein bemerkenswerter Wandel ab. Während Hunde lange Zeit als die beliebtesten tierischen Begleiter galten, liegen inzwischen Katzen bei den Adoptionen deutlich vorne. Eine neue Untersuchung zeigt, dass fast sechs von zehn adoptierten Tieren Katzen sind. Gleichzeitig macht der Bericht auf ein anderes Problem aufmerksam: Ältere und kranke Tiere haben weiterhin besonders geringe Chancen auf ein neues Zuhause.
Spanien erlebt offenbar einen Wandel bei der Wahl seiner Haustiere. Nach einer Untersuchung der Plattform „Adopta con Tiendanimal“ entfielen im Jahr 2025 insgesamt 59 Prozent der erfassten Adoptionen auf Katzen. Hunde kamen dagegen lediglich auf einen Anteil von 41 Prozent.
Die Zahlen stammen aus dem Bericht „Mi historia continúa contigo“ („Meine Geschichte geht weiter mit dir“), der am Dienstag im Tierheim Salvando Peludos in Villamanta bei Madrid vorgestellt wurde.
Für die Untersuchung wurden rund 2.500 Tiere ausgewertet, die im Laufe des Jahres 2025 über die Adoptionsplattform vermittelt beziehungsweise zur Adoption vorgestellt wurden.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Vorlieben vieler Menschen bei der Aufnahme eines neuen Haustieres verändern.

Katzen gewinnen an Beliebtheit – besonders in den Städten
Nach Einschätzung der Verantwortlichen könnte der zunehmende Anteil von Katzenadoptionen eng mit den veränderten Lebensbedingungen vieler Menschen zusammenhängen.
Insbesondere in größeren Städten leben zahlreiche Haushalte in vergleichsweise kleinen Wohnungen. Katzen gelten als anpassungsfähig und benötigen im Gegensatz zu Hunden normalerweise keine regelmäßigen Spaziergänge.
Auch ihre größere Selbstständigkeit könnte für Menschen mit einem zeitlich anspruchsvollen Alltag eine Rolle spielen.
Caroline Arrú, Marketingdirektorin von Tiendanimal, sieht darin eine deutliche Entwicklung.
„Spanien war schon immer ein Land der Hunde“, erklärte sie bei der Vorstellung des Berichts. Inzwischen sei jedoch eine Veränderung zugunsten der Katzen zu beobachten, die mittlerweile bei den erfassten Adoptionen sogar vor den Hunden liegen.
Die Ergebnisse beziehen sich auf Adoptionen über die untersuchte Plattform und nicht auf die gesamte Haustierpopulation Spaniens.
Andalusien führt bei den Adoptionen deutlich
Auch regional zeigen sich erhebliche Unterschiede.
Besonders auffällig ist die Entwicklung in Andalusien. Auf die südspanische autonome Gemeinschaft entfielen 43,15 Prozent der untersuchten Adoptionen.
Damit liegt Andalusien mit großem Abstand an der Spitze.
Auf dem zweiten Platz folgt die Autonome Gemeinschaft Madrid mit 15,09 Prozent. Katalonien erreicht einen Anteil von 8,23 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen, wie unterschiedlich sich die über die Plattform erfassten Tieradoptionen auf die einzelnen Regionen Spaniens verteilen.
Junge Tiere haben deutlich bessere Chancen
Neben der zunehmenden Beliebtheit von Katzen zeigt die Untersuchung eine weitere Entwicklung: Das Alter eines Tieres beeinflusst seine Vermittlungschancen erheblich.
Bei Hunden sind vor allem junge Tiere gefragt.
42,45 Prozent der adoptierten Hunde waren zwischen einem und drei Jahren alt. Weitere 11,57 Prozent waren Welpen unter einem Jahr.
Dagegen entfielen lediglich 9,29 Prozent der Adoptionen auf Hunde, die älter als acht Jahre waren.
Bei Katzen ist der Unterschied noch ausgeprägter.
49 Prozent der adoptierten Katzen waren zwischen sechs Monaten und zwei Jahren alt. Weitere 46,27 Prozent gehörten zur Altersgruppe zwischen zwei und zehn Jahren.
Katzen über zehn Jahre machten dagegen nur 1,61 Prozent der Adoptionen aus.
Damit haben ältere Katzen innerhalb der untersuchten Vermittlungen besonders selten ein neues Zuhause gefunden.
Papuchi wartet mit neun Jahren noch immer auf eine Familie
Hinter den Statistiken stehen zahlreiche Tiere mit individuellen Schicksalen.
Eines davon ist Papuchi, ein neunjähriger Hund im Tierheim Salvando Peludos.
Papuchi hat gleich zwei Eigenschaften, die seine Vermittlung erschweren: Er ist bereits älter und leidet an Leishmaniose.
Fernando Sánchez, Präsident der Stiftung Salvando Peludos, berichtet, dass viele Menschen vor der Adoption eines erkrankten Tieres zurückschrecken.
Dabei benötige Papuchi nach Angaben des Tierheims lediglich eine tägliche Tablette.
Dennoch schreckt seine Erkrankung mögliche Adoptierende offenbar ab.
Für Papuchi bedeutet das, dass er weiterhin im Tierheim auf Menschen wartet, die bereit sind, einen älteren Hund mit einer chronischen Erkrankung aufzunehmen.
Amapola: Zwölf Jahre alt, ein Auge verloren und kaum Vermittlungschancen
Ein weiteres Beispiel ist die Katze Amapola.
Sie wurde aus einem Haushalt gerettet, in dem mehr als 50 Katzen unter beengten Bedingungen lebten. Der Fall wird mit dem sogenannten Noah-Syndrom in Verbindung gebracht, bei dem Menschen eine große Zahl von Tieren aufnehmen, ohne deren angemessene Versorgung gewährleisten zu können.
Die schwierigen Lebensbedingungen haben bei Amapola Spuren hinterlassen.
Nach Angaben von Katia Berazouskaya, Koordinatorin des Tierheims, fällt es der Katze schwer, Vertrauen zu fassen.
Hinzu kommen mehrere gesundheitliche Einschränkungen.
Amapola ist zwölf Jahre alt, hat ein Auge verloren und leidet unter einer leichten Ataxie, einer Störung der Bewegungskoordination.
Außerdem benötigt sie nach Einschätzung ihrer Betreuer ein Zuhause ohne weitere Katzen.
Diese Kombination macht die Suche nach einer geeigneten Familie besonders schwierig.
Verhalten, Krankheiten und Größe erschweren die Vermittlung
Dass ältere oder kranke Tiere länger in Tierheimen bleiben, wird auch durch eine weitere Untersuchung der Fundación Affinity deutlich.
In der Studie „Él nunca lo haría“ wurden Tierschutzorganisationen nach Faktoren befragt, die eine Adoption erschweren.
Besonders häufig nannten die Organisationen das Verhalten eines Tieres.
77,6 Prozent der befragten Einrichtungen bezeichneten Verhaltensmerkmale als wesentlichen Faktor für einen längeren Aufenthalt im Tierheim.
Weitere häufig genannte Hindernisse waren:
- 68,2 Prozent: Zugehörigkeit zu als potenziell gefährlich eingestuften Hunderassen.
- 57,2 Prozent: Chronische Erkrankungen.
- 50,7 Prozent: Große Körpergröße.
- 48 Prozent: Höheres Alter.
Diese Prozentwerte beziehen sich auf die Einschätzungen der befragten Organisationen und nicht auf die Anteile der betroffenen Tiere.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Vermittlungschancen nicht allein nach der Tierart richten.
Auch gesundheitliche Voraussetzungen, Verhalten und individuelle Bedürfnisse beeinflussen, wie schnell ein Hund oder eine Katze ein neues Zuhause findet.
Fast 240 Hunde und Katzen warten allein in Villamanta
Im Tierheim Salvando Peludos in Villamanta leben derzeit fast 240 Hunde und Katzen, die auf eine Adoption hoffen.
Unter ihnen befinden sich zahlreiche Tiere, die aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Einschränkungen oder besonderer Bedürfnisse weniger Aufmerksamkeit erhalten.
Tierschutzorganisationen sprechen in solchen Fällen häufig von „unsichtbaren Tieren“.
Gemeint sind Hunde und Katzen, die bei der Suche nach einem Haustier immer wieder übersehen werden, obwohl auch sie vermittelt werden könnten.
Papuchi und Amapola gehören zu dieser Gruppe.
Während die aktuellen Zahlen eine zunehmende Beliebtheit von Katzen bei den untersuchten Adoptionen zeigen, bleibt die Vermittlung älterer und gesundheitlich beeinträchtigter Tiere eine zentrale Herausforderung für den spanischen Tierschutz.
Für die Mitarbeiter von Salvando Peludos steht deshalb nicht nur die Zahl der Adoptionen im Mittelpunkt. Entscheidend ist auch, dass Tiere mit besonderen Bedürfnissen eine passende Familie finden.
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