Brennende Müllcontainer, zerstörte Bushaltestellen, Barrikaden und Zusammenstöße mit der Polizei: Im Zentrum Barcelonas ist eine zunächst als Jugendprotest angekündigte Versammlung am Samstag (24. Oktober) in schwere Ausschreitungen umgeschlagen. Die katalanische Polizei nahm rund 100 Menschen fest, darunter zahlreiche Minderjährige. Geschäfte mussten schließen, Touristen wurden aus dem Gefahrenbereich gebracht. Kataloniens Regierungschef Salvador Illa verurteilte die Gewalt scharf.
Jugendprotest eskaliert mitten im Zentrum Barcelonas
Was als Protest junger Menschen begann, entwickelte sich am Samstagnachmittag auf der Plaça Catalunya in Barcelona zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und den katalanischen Polizeikräften der Mossos d’Esquadra.
Unter dem Motto „Instituts Indignats“ hatten sich mehrere Dutzend überwiegend junge Menschen versammelt. Der Aufruf war zuvor über soziale Netzwerke verbreitet worden.
Die Bewegung orientiert sich an den französischen „Lycées Indignés“, die in den vergangenen Wochen mit Schülermobilisierungen in Frankreich auf sich aufmerksam gemacht hatten.
Nach Angaben katalanischer Polizeiquellen begannen Teilnehmer der Versammlung, öffentliche Einrichtungen zu beschädigen und Unruhen auszulösen. Als die Bereitschaftspolizei eingriff, zerstreuten sich die Jugendlichen in mehrere Gruppen.
Die Auseinandersetzungen verlagerten sich anschließend auf die umliegenden Straßen.
Centro de Barcelona, calles cortadas, muchísimos furgones de la policía. El Corte Ingles ha cerrado puertas y han hecho salir a la gente por salidas emergencias. @SoyMmadrigal . Puede ser lo que has ido comentando? https://t.co/tCRRyJse0Y
— Dani 🙂 (@Daniguaima) October 24, 2026
Brennende Barrikaden und umgestürzte Motorräder
Im weiteren Verlauf verschärfte sich die Situation erheblich.
Mehrere überwiegend schwarz gekleidete und vermummte Beteiligte setzten Müllcontainer in Brand. Geparkte Motorräder wurden umgeworfen und teilweise zum Bau von Barrikaden verwendet.
Besonders angespannt war die Lage an der Einmündung der Carrer de Bergara zur Plaça Catalunya. Dort errichteten Beteiligte aus kleineren Containern, Abfallbehältern und Motorrädern eine Barrikade, die anschließend angezündet wurde.
Auch die Terrasse der bekannten Bar Zürich am Platz wurde von den Ausschreitungen erfasst. Dort wurden ebenfalls Gegenstände in Brand gesetzt.
Darüber hinaus beschädigten Randalierer die Glasscheiben zweier Bushaltestellen und versuchten, eine Ampelanlage zu zerstören.
Die Mossos d’Esquadra reagierten mit einem umfangreichen Polizeieinsatz. Einsatzfahrzeuge bewegten sich rund um den Platz, während Bereitschaftspolizisten zu Fuß gegen gewalttätige Gruppen vorgingen.
Ein Polizeihubschrauber überwachte das Geschehen aus der Luft.
Aldarulls, contenidors cremats i carrers tallats al voltant de la plaça Catalunya de Barcelona, en la protesta de joves "contra el sistema". Alguns dels manifestants han cremat el para-sol d’una terrassa https://t.co/NQZAd0sIAF https://t.co/Z4KoNL4xtP
— 3CatInfo (@3CatInfo) October 24, 2026
Geschäfte schließen – Polizei bringt Touristen in Sicherheit
Die Ausschreitungen hatten erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben im Zentrum der katalanischen Metropole.
Die Stadtpolizei sperrte Zugänge zur Plaça Catalunya. Die Absperrungen erstreckten sich auf den Bereich zwischen der Plaça Urquinaona und der Plaça Universitat.
Zahlreiche Geschäfte reagierten auf die zunehmende Gewalt und ließen ihre Rollläden herunter.
Die Modekette Zara sicherte ihre Schaufenster und Eingänge, während das Kaufhaus El Corte Inglés seine Türen schloss.
Weitere Schaufenster wurden beschädigt. Berichtet wurde zudem von Plünderungen einzelner Geschäfte.
Polizeibeamte forderten Touristen und Passanten auf, den Platz zu verlassen. Die Mossos appellierten an die Bevölkerung, das betroffene Gebiet zu meiden.
Que bien en Barcelona ahora mismo Plaza Cataluña… https://t.co/J1vvmcTdgL
— Marc Cano (@MarcCano98) October 24, 2026
Rund 100 Festnahmen – jeder vierte Festgenommene minderjährig
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nahm die katalanische Polizei nach den vorliegenden Angaben rund 100 Menschen fest.
Besonders auffällig ist das Alter zahlreicher Festgenommener: Etwa ein Viertel von ihnen soll minderjährig gewesen sein.
Damit waren unter den Festgenommenen auch zahlreiche Jugendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten.
Die Versammlung hatte ursprünglich lediglich mehrere Dutzend Teilnehmer angezogen. Im Verlauf der Ereignisse verteilten sich die beteiligten Gruppen jedoch auf verschiedene Bereiche rund um die Plaça Catalunya.
Un manifestante en Plaça Catalunya utiliza la válvula del ketchup de un MacDonald para atacar a la policia https://t.co/KHelYmg3fy
— Naila Superdotada (@serlapeor) October 24, 2026
🇪🇸 Barcelona ERUPTS — Plaça de Catalunya LOOTED — Hooded mobs smash storefronts. Barricades burn. Shoppers trapped. ~100 arrested. Europe’s riot weekend just jumped the border. How many capitals fall before someone draws a line? https://t.co/tvhZtR2MDr
— Silent Politics◾️ (@silentpolitics1) October 25, 2026
Polizei räumt den Platz am späten Abend
Die Auseinandersetzungen hielten über mehrere Stunden an.
Gegen 18:30 Uhr war das Protestcamp im zentralen Bereich der Plaça Catalunya nach den vorliegenden Schilderungen noch nicht unmittelbar von den polizeilichen Maßnahmen betroffen.
Im weiteren Verlauf konzentrierten sich die Einsatzkräfte darauf, die gewalttätigen Gruppen auseinanderzutreiben und die Straßen wieder unter Kontrolle zu bringen.
Gegen 21:45 Uhr räumten die Mossos d’Esquadra die Plaça Catalunya. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Demonstranten bereits weitgehend zerstreut, und die Brände im betroffenen Stadtgebiet waren nicht mehr aktiv.
Regierungschef Illa verurteilt Gewalt kategorisch
Kataloniens Regierungspräsident Salvador Illa reagierte mit einer deutlichen Verurteilung der Ausschreitungen.
„Gewalt hat in Katalonien keinen Platz“, erklärte Illa und sprach den Mossos d’Esquadra seine Unterstützung aus.
Der Regierungschef betonte, dass Demonstrationen und öffentliche Proteste zu den demokratischen Grundrechten gehörten. Angriffe, Einschüchterungen und Sachbeschädigungen seien dagegen nicht hinnehmbar.
Kein Anliegen könne derartige Gewalt rechtfertigen.
Illa kündigte an, dass die Verantwortlichen für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden müssten.
Barcelona erlebt einen Abend voller Gewalt
Die Ereignisse zeigen, wie schnell eine über soziale Netzwerke organisierte Protestversammlung zu einer erheblichen Belastung für die öffentliche Sicherheit werden kann.
Aus einer zunächst überschaubaren Jugendkundgebung entwickelte sich ein mehrstündiger Polizeieinsatz, der einen der bekanntesten Plätze Barcelonas und zahlreiche angrenzende Straßen erfasste.
Brennende Barrikaden, beschädigte Geschäfte und die umfangreichen Absperrungen prägten das Geschehen im touristischen und wirtschaftlichen Zentrum der Stadt.
Mit rund 100 Festnahmen und einem hohen Anteil minderjähriger Festgenommener haben die Ausschreitungen auch eine Debatte über Jugendproteste und die Grenzen des Demonstrationsrechts ausgelöst.
Für die katalanische Regierung steht dabei eine Botschaft im Mittelpunkt: Friedlicher Protest ist geschützt – Gewalt und Zerstörung nicht.
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