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Granadas gigantische Wasserbatterie: Das umstrittene Wasserkraftwerk Los Guájares nimmt Fahrt auf

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Imagen de wirestock en Freepik

Ein Staudamm, zwei Stauseen und Milliarden Liter Wasser: In der Provinz Granada formiert sich ein Projekt, das das Potenzial hat, die Energielandschaft Südspaniens nachhaltig zu verändern. Das geplante reversible Pumpspeicherkraftwerk in Los Guájares verspricht, als riesige “Wasserbatterie” saubere Energie für Hunderttausende Haushalte zu liefern. Doch während die einen von Fortschritt und Arbeitsplätzen träumen, prangern andere massive Umweltauswirkungen und einen drohenden “Wasserdiebstahl” an. Das Projekt spaltet die Region und wirft ein Schlaglicht auf das zentrale Dilemma der spanischen Energiewende.

Ein umstrittenes Megaprojekt als Lösung für Spaniens Energieproblem?

Spanien steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Ein Großteil des Stroms wird bereits aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind gewonnen. Doch was passiert, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Das Land benötigt dringend effiziente Energiespeicherlösungen. Genau hier setzt das Projekt der Villar Mir Energía in Granada an. Geplant ist ein reversibles Wasserkraftwerk mit einer beeindruckenden Leistung von 356 MW, das direkt mit dem bekannten Rules-Stausee verbunden werden soll.

Grünes Licht mit Auflagen: Umweltverträglichkeitsprüfung bestanden

Nach Jahren des Wartens hat das Vorhaben nun eine entscheidende Hürde genommen. Das Ministerium für den ökologischen Wandel erteilte eine positive Umweltverträglichkeitserklärung (UVE). Diese Genehmigung, veröffentlicht im offiziellen Staatsanzeiger, ist ein entscheidender Schub für das Projekt, dessen Wasserkonzession bereits seit 2020 vorlag. Die Resolution ist jedoch an ein umfassendes Paket von Umweltauflagen geknüpft, die präventive, korrigierende und ausgleichende Maßnahmen vorschreiben. Auch wenn weitere Genehmigungen ausstehen, ist der Weg für die Realisierung nun deutlich geebnet.

So funktioniert die “Batterie” von Granada

Das Funktionsprinzip des Kraftwerks, das die Gemeinden Vélez de Benaudalla, El Pinar, Los Guájares und Padul betrifft, ist auf dem Papier bestechend einfach. Wasser aus dem Rules-Stausee wird bei Energieüberschuss in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Bei hoher Stromnachfrage wird dieses Wasser wieder abgelassen, treibt Turbinen an und erzeugt so sauberen Strom. Mit einer geplanten Jahreskapazität von 1.022 GWh könnte die Anlage den Bedarf von Hunderttausenden Haushalten decken. Die Dimensionen des Baus sind gewaltig: Über 246.000 Kubikmeter Material müssen ausgehoben und Rohrleitungen von 1,5 Kilometern Länge verlegt werden. Die Bauzeit wird auf fast fünf Jahre geschätzt, bei einer Investitionssumme von über 400 Millionen Euro, für die laut Berichten bereits Investitionspartner gesucht werden.

Widerstand in der Region: Die Sorge vor “Wasserdiebstahl” und Umweltschäden

Das Projekt ist jedoch alles andere als unumstritten. Die Abgeordnete aus Granada, Alejandra Durán (Por Andalucía), äußert scharfe Kritik und warnt vor erheblichen Gefahren. Sie befürchtet Erosion und Erdrutsche und sieht geschützte Arten wie den Steinadler, den Habichtsadler oder den Gänsegeier durch den Bau gefährdet. Durán spricht zudem von der notwendigen Abholzung “Tausender von Bäumen und einheimischen Sträuchern” und weist darauf hin, dass Teile des betroffenen Gebiets mit dem durch einen Brand geschädigten Boden von Los Guájares zusammenfallen. Der schärfste Vorwurf lautet jedoch auf “Wasserdiebstahl”, der den Landwirten der Region die Lebensgrundlage entziehen könnte.

Spaniens Dilemma: Zwischen Energiewende und lokalen Konflikten

Die Debatte in Granada spiegelt ein landesweites Spannungsfeld wider. Pumpspeicherkraftwerke gelten als Schlüsseltechnologie, um die Schwankungen der Erneuerbaren auszugleichen und das Stromnetz zu stabilisieren. Sie fungieren als “hydraulische Batterien”, die überschüssige Energie speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Doch das Kraftwerk Los Guájares zeigt deutlich den Preis dieser Technologie: die Konfrontation zwischen der nationalen Dringlichkeit der Energiespeicherung und den ökologischen sowie sozialen Risiken vor Ort. Mit der positiven Umweltverträglichkeitsprüfung liegt der Ball nun bei den Investoren. Die Frage, die sich ganz Südspanien stellt, ist, ob diese gewaltige Wasserbatterie ein Motor des Fortschritts wird oder ein mahnendes Beispiel für die Schattenseiten der Energiewende bleibt.


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