Der Cannabis-Penis-Schwindel: Wie ein Fake-Experiment aus Spanien die Wissenschaftswelt bloßstellte

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Der Cannabis-Penis-Schwindel: Wie ein Fake-Experiment aus Spanien die Wissenschaftswelt bloßstellte
Bild: KI

Als leidenschaftliche Journalisten und Autoren verfolgen wir die Entwicklungen in der Medienlandschaft und der Wissenschaft stets mit Argusaugen. Was wir kürzlich über ein bahnbrechendes soziales Experiment aus Spanien erfahren haben, hat uns zutiefst beeindruckt und gleichzeitig beunruhigt. Es ist eine Geschichte, die uns alle dazu anregen sollte, kritischer zu denken und genauer hinzusehen, wenn es um sogenannte „wissenschaftliche“ Veröffentlichungen geht.

Stellen Sie sich vor, eine Studie behauptet, dass der Konsum von Marihuana den männlichen Penis um mehr als zwei Zentimeter wachsen lässt. Absurd, nicht wahr? Doch genau diese fiktive Behauptung, eingebettet in eine scheinbar wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel “The Perceived Effect of Cannabis Use on Penile Growth in Humans”, schaffte es, in mehreren internationalen akademischen Fachzeitschriften veröffentlicht zu werden. Aber alles war ein Schwindel: die Daten, die angeblichen Universitäten, die Autoren und sogar die Schlussfolgerungen.

Hinter diesem genialen Hoax stecken wir, Carles Tamayo und unser Team. Unser Ziel: die Machenschaften sogenannter “Predatory Journals” anzuprangern. Das sind wissenschaftliche Publikationen, die gegen eine Gebühr Artikel ohne jegliche Form der Überprüfung oder Peer-Reviews akzeptieren. Ein alarmierender Missstand, der das Fundament der wissenschaftlichen Integrität untergräbt.

Die von uns erfundene Studie war gespickt mit offensichtlichen Ungereimtheiten. Sie enthielt gefälschte Daten von über 10.000 jungen Männern aus El Palmar de Troya, einer kleinen Stadt in Sevilla mit gerade einmal 3.000 Einwohnern. Es wurde behauptet, dass täglicher Cannabiskonsum zu einem durchschnittlichen Peniswachstum von 2,54 Zentimetern führte. Doch damit nicht genug: Wir erfanden Universitäten wie die “Zentrale Universität der Scharlatanerie in Cochabamba” und die “Universität der unabhängigen Rennmäuse in Sibirien” – letztere vertreten durch zwei fiktive Nagetiere, Wilfred und Richmond, die als Co-Autoren gelistet wurden. Ein Satz in dem Artikel brachte die Absurdität auf den Punkt: “Die Daten in diesem Artikel wurden gefälscht, da unsere Befragten ein Hirngespinst sind.”

Trotz all dieser offensichtlichen Fehler und der klaren Hinweise auf eine Fälschung – sogar die absurde Behauptung, die Wirkung von Cannabis sei größer, wenn die Droge mit Dragon Ball-Karten bezahlt werde – wurde der Artikel von sechs dieser “räuberischen Zeitschriften” akzeptiert und schließlich in drei von ihnen veröffentlicht. Dies ist ein erschreckendes Zeugnis dafür, wie kommerzielle Interessen die wissenschaftliche Sorgfaltspflicht aushebeln können.

Das Experiment haben wir minutiös dokumentiert, unter anderem in der RTVE-Sendung “Futuros Imperfectos” und auf Carles Tamayos eigenem YouTube-Kanal. Dort wurden alle Schritte des Prozesses offengelegt, vom Schreiben des Artikels bis zu seiner Veröffentlichung. Unser Ziel war klar: aufzuzeigen, wie bestimmte Zeitschriften, die sich als wissenschaftlich ausgeben, in Wahrheit als reine Geschäftsmodelle funktionieren und Inhalte jedweder Art akzeptieren, solange die Gebühren fließen.

Diese “räuberischen Zeitschriften” stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Wissenschaft und die öffentliche Gesundheit dar. Sie ermöglichen die Verbreitung falscher Informationen unter dem Deckmantel der Wissenschaft, die dann dazu genutzt werden können, pseudowissenschaftliche Therapien, Wundermittel oder sogar öffentliche Richtlinien auf der Grundlage betrügerischer Studien zu rechtfertigen. Carles Tamayo bringt es auf den Punkt: “Jeder, der 80 Dollar und eine technische englische Arbeit hat, kann in einigen dieser Zeitschriften veröffentlichen, was er will.”

Bei diesem Unterfangen wurden wir von Fernando Cervera unterstützt, einem Wissenschaftskommunikator, der bereits 2014 den “Fekomagnetismus” entwickelt hatte – eine gefälschte Therapie auf Basis menschlicher Fäkalien, um zu demonstrieren, wie leicht Pseudowissenschaft, wenn sie technisch verpackt ist, Einzug in vermeintlich seriöse Kreise halten kann.

Der Artikel über Peniswachstum und Cannabis ist mehr als nur ein Witz; er ist ein lauter Weckruf. Wir decken auf, dass das wissenschaftliche Publikationssystem von jenen missbraucht wird, die versuchen, falschen Informationen Legitimität zu verleihen. Dieses Experiment ist, in den Worten seiner Autoren, ein Werkzeug der “kritischen Pädagogik”, das uns vor Pseudowissenschaft warnt und die unerlässliche Bedeutung eines echten Peer-Reviews unterstreicht. Es ist an der Zeit, dass wir alle unsere Medienkompetenz schärfen und die Quellen wissenschaftlicher Informationen kritisch hinterfragen.


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