Ein scheinbar widersprüchliches Bild zeichnet sich in diesem Sommer an Spaniens Küsten und in seinen Metropolen ab: Die Besucherzahlen erreichen an vielen Orten historische Höchststände und übertreffen sogar frühere Rekorde. Doch während die Strände und Straßen voller sind als je zuvor, klagen Unternehmer in Bars, Restaurants und Geschäften über ausbleibende Umsätze. Es manifestiert sich ein Trend zum Billigtourismus – mehr Menschen kommen, doch sie geben pro Kopf deutlich weniger aus. Dies führt nicht nur zu geringeren wirtschaftlichen Erträgen, sondern auch zu überfüllten Orten und wachsendem Unmut bei den Anwohnern.
Ein landesweites Phänomen: Wo die Ausgaben sinken
Von den Balearen über Katalonien bis hin zu den Kanarischen Inseln – der Rückgang der touristischen Ausgaben ist ein roter Faden, der sich durch die wichtigsten Urlaubsregionen Spaniens zieht. Hoteliers warnen schon seit einiger Zeit vor einer sinkenden Ausgabebereitschaft heimischer Touristen. Dass nun auch internationale Hochburgen wie Mallorca oder Barcelona betroffen sind, zeigt die Tragweite dieser Entwicklung. Es zeichnet sich ab, dass die laufende Saison trotz exzellenter Belegungszahlen die wirtschaftlich schwächste seit der Pandemie werden könnte.
Madrid als leuchtende Ausnahme: Der Fokus auf Luxus zahlt sich aus
Inmitten dieses Trends sticht Madrid als positive Ausnahme hervor. Die Hauptstadt hat sich erfolgreich auf das Luxussegment spezialisiert und zieht eine kaufkräftige internationale Klientel an. Im Gegensatz zu Barcelona sind die Straßen weniger überlaufen, und die Pro-Kopf-Ausgaben der Besucher liegen signifikant höher als in den sonnen- und strandfokussierten Destinationen. Madrids Strategie beweist, dass Qualität über Quantität triumphieren kann.
Die Gründe für die Kaufzurückhaltung: Von Hitzewellen bis Inflation
Mehrere Faktoren tragen zur aktuellen Situation bei. Die extreme Sommerhitze in Europa könnte dazu geführt haben, dass insbesondere Touristen aus nordischen Ländern ihre Reisen in den kühleren Herbst verschieben. Dies spiegelt sich in einem Rückgang der Passagierzahlen aus dem Vereinigten Königreich an Flughäfen wie El Prat wider. Gleichzeitig dämpfen die globale wirtschaftliche Unsicherheit und die hohe Inflation die Kaufkraft der Mittelschicht, die zwar nicht auf das Reisen verzichten will, aber vor Ort eisern spart.
Problemfall Barcelona: Lokale Krisen verschärfen den Trend
In Barcelona potenzieren lokale Probleme den landesweiten Negativtrend. Anhaltende Bauarbeiten in touristischen Hotspots, mangelnde Sauberkeit in den Vierteln und eine wachsende Unsicherheit schrecken insbesondere zahlungskräftige Gäste ab. Polizeiquellen berichten von einer besorgniserregenden Zunahme von Diebstählen, darunter Taschendiebstähle und der Raub teurer Uhren, selbst in exklusiven Gegenden.
Elvira Garcia, Direktorin von Barcelona Oberta, bestätigt: “60 % unserer Handelszentren melden zwar einen gleichbleibenden oder sogar höheren Besucherzustrom im Vergleich zum Vorjahr, aber die Ausgaben sind gesunken.” Sie beklagt, dass vor allem der Luxussektor leidet, da die zahlungskräftigen amerikanischen Touristen aufgrund des ungünstigen Dollar-Euro-Kurses in diesem Sommer fernbleiben. Auch Lluís Sans, Präsident des Verbandes Paseo de Gràcia, beobachtet, dass die ankommenden Touristen aus Ländern mit angespannter Wirtschaftslage stammen und daher bei Restaurantbesuchen und Einkäufen sparen. Die Hoffnung der lokalen Wirtschaft ruht nun auf dem September, wenn mit dem Beginn der Messesaison wieder kaufkräftigere Kongressteilnehmer in die Stadt strömen.
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