Tierschützer jubeln: Der Zoo von Madrid verabschiedet sich von seinen Delfinen

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Zoo Madrid Delfin
ID 132377987 © Ivan Gonzale | Dreamstime.com

Der Verein Proyecto Gran Simio betrachtet die Verlegung der Delfine als kleinen Sieg, nachdem er jahrelang die Haltungsbedingungen im Madrider Zoo öffentlich kritisiert hatte.

Der Zoo Madrid hat am 24. Januar seine acht Delfine in einen modernen Zoo auf der chinesischen Insel Hainan verlegt. Dies geschah auf Empfehlung der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA). Der Zoo Madrid betonte, die Verlegung stehe nicht im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen der Tiere. Die eigenen Anlagen seien zwar ausreichend, die asiatischen würden jedoch die europäischen Qualitätsstandards “weit übertreffen”. Der frei gewordene Bereich soll zukünftig als temporäre Unterkunft für Tiere anderer Parks oder Institutionen dienen. Proyecto Gran Simio bewertet die Verlegung als “kleinen Sieg”, so Geschäftsführer Pedro Pozas. Er hatte zuvor auf Basis eines tierärztlichen Berichts von Sea Shepherd den schlechten Gesundheitszustand der Delfine angeprangert. Diese Vorwürfe wurden jedoch nach einer gerichtlichen Überprüfung und einer weiteren tierärztlichen Untersuchung zurückgewiesen.

Agustín López, Biologieleiter des Madrider Zoos, erklärt, die EAZA-Empfehlung basiere auf Zuchtprogrammen. “Nicht unsere Anlage ist mangelhaft, sondern wir streben stets nach den besten Bedingungen für die Tiere.” Eine Teilverlegung der Delfine sei ausgeschlossen, da diese soziale Tiere seien und unbedingt in ihrer Gruppe bleiben müssten. Der chinesische Zoo sei deutlich größer als der in Madrid und verfüge über fünf miteinander verbundene Becken unterschiedlicher Größe sowie eine 2.000 Quadratmeter große Tierklinik mit Quarantänebereich.

Der Madrider Zoo gehört zur Parque Reunidos-Gruppe, Betreiber u.a. des Aquopolis Costa Dorada (Tarragona). Bereits 2022 transferierte der Wasserpark neun Delfine in denselben Zoo auf Hainan. Die Tierschutzorganisation Marine Connection, spezialisiert auf den Schutz von Delfinen und Walen, kritisierte diese Entscheidung. Sie befürchtet, die Delfine würden nicht nur für öffentliche Vorführungen, sondern auch zur Zucht eingesetzt.

Marine Connection erinnert in diesem Zusammenhang an den gescheiterten Versuch des Dolfinariums Harderwijk (Niederlande), 2021 acht Große Tümmler nach China zu bringen. Ein niederländischer Richter blockierte die Verlegung aufgrund mangelnder Tierschutzgesetze in China. Die Organisation zeigt sich besorgt über die nun von Spanien genehmigte Verlegung.

María José Luis Cerezo von der Presseabteilung des Madrider Zoos versichert, die neuen Anlagen entsprächen den strengen Standards der Alliance of Marine Mammal Parks and Aquariums und des Humane Conservation™-Programms.

Proyecto Gran Simio hatte 2019 bei der Seprona (Naturschutzdienst der Guardia Civil) Anzeige gegen den Madrider Zoo wegen mangelhafter Haltungsbedingungen erstattet. Grundlage war ein Bericht von Sea Shepherd, dessen Experten den Zoo verdeckt inspiziert und den Zustand der Wale analysiert hatten. Sie diagnostizierten Krankheiten, Augenprobleme und Hautläsionen bei zwei Tieren, die auf Misshandlungen hindeuteten. Die Klage wurde nach einer zweiten tierärztlichen Untersuchung abgewiesen. Zoo-Biologe Agustín López führt die Erkrankungen auf mögliche Infektionen in der natürlichen Umgebung zurück.

Bea Agüero von Sea Shepherd widerspricht dieser Darstellung und sieht die Gefangenschaft als Ursache der Probleme. Delfine würden in ihrem eigenen Urin und Kot schwimmen, was zu bakteriellen Infektionen führe. Die notwendige Chlorierung des Wassers schädige wiederum die Augen und könne Verätzungen verursachen. Hinzu komme der chronische Stress durch die Gefangenschaft, da Delfine in freier Wildbahn durchschnittlich 100 Kilometer pro Tag schwimmen.

Proyecto Gran Simio, Sea Shepherd und Marine Connection fordern die Schließung von Delfinarien und schlagen als Alternative Meeresschutzgebiete vor – abgegrenzte Bereiche im Meer, die den Delfinen mehr Freiheit in ihrem natürlichen Lebensraum bieten, ähnlich dem Naturpark Cabárceno, nur im Meer.

Das nun leerstehende Delfinbecken soll anderen Parks als temporäre Unterkunft für Meerestiere dienen. Proyecto Gran Simio-Geschäftsführer Pedro Pozas fordert jedoch die sofortige Schließung des Delfinariums und schlägt stattdessen virtuelle Alternativen wie Modelle oder VR-Brillen vor, um Besuchern die Tiere ohne Gefangenschaft näherzubringen.

Foto: ID 132377987 ©
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