Wohneigentum in Spanien auf dem Rückzug: Vom Land der Eigentümer zur Nation der Mieter

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Deutsche erobern Spaniens Immobilienmarkt: Führend bei Hypotheken 2025
ID 12835346 © Val Bakhtin | Dreamstime.com

Spanien war über Jahrzehnte als das “Land der Eigentümer” bekannt. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung lebte in den eigenen vier Wänden, eine Quote, die lange Zeit deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union lag. Doch diese Ära scheint sich dem Ende zuzuneigen. Eine tiefgreifende Veränderung auf dem Wohnungsmarkt zeichnet ein neues Bild: Spanien entwickelt sich zunehmend zu einer Nation von Mietern, was an die Phrase “Vom Land der Eigentümer zum Land der Proletarier” erinnert.

Der historische Aufstieg und Fall der Eigentumsquote

Die Entwicklung hin zu einer Eigentümergesellschaft begann rasant im Jahr 1960. Damals besaßen 51,9 % der Haushalte ihr Zuhause, während 41,4 % zur Miete wohnten. Bereits zehn Jahre später, 1970, war der Anteil der Eigentümer auf 63,4 % gestiegen. Dieser Trend setzte sich unaufhaltsam fort und erreichte im Jahr 2005 seinen historischen Höhepunkt: beeindruckende 80,5 % der spanischen Haushalte lebten im Eigenheim. Die Mietquote war auf lediglich 13 % gesunken.

Seit diesem Gipfelpunkt ist jedoch eine deutliche Trendumkehr zu beobachten. Wie aktuelle Daten des “Spain Housing Observatory” belegen, hat der Anteil der Haushalte in Eigentumswohnungen kontinuierlich abgenommen. Heute liegt dieser Wert nur noch bei 72 %. Im Gegenzug hat der Mietmarkt massiv an Bedeutung gewonnen und ist von 13 % auf 22 % angewachsen. Eine bemerkenswerte Verschiebung, die weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen hat.

Interessanterweise sind laut der jüngsten Erhebung des Nationalen Statistikinstituts (INE) zwei Drittel der Eigenheime bereits vollständig abbezahlt. Das bedeutet, 48,8 % der Haushalte leben in einer lastenfreien Immobilie, während 24,7 % noch eine Hypothek bedienen.

Die tiefe Kluft zwischen den Generationen

Eine Analyse der Daten nach Altersgruppen offenbart dramatische Unterschiede und zeigt, welche Bevölkerungsgruppe die Hauptlast dieser Entwicklung trägt.

Besonders hart trifft es die junge Generation. Nur noch 27 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 29 Jahren besitzen ein Eigenheim. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lag dieser Anteil noch bei 58,1 %. Von diesen 27 % haben zudem 12,7 % ihr Eigentum hypothekenfrei, was stark auf Erbschaften hindeutet.

Auch die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen hat einen schweren Schlag erlitten. Während 2007 noch 74,3 % dieser Gruppe Eigentümer waren, sind es heute nur noch 52,9 %. Von ihnen haben lediglich 16,3 % ihre Immobilie vollständig abbezahlt.

Deutlich stabiler zeigt sich die Situation für die 45- bis 64-Jährigen. Hier sank die Eigentumsquote von 86,6 % im Jahr 2005 auf immer noch stattliche 76,4 % im Jahr 2024.

Die über 65-Jährigen bleiben die Felsen in der Brandung

Die einzige Bevölkerungsgruppe, die von diesem negativen Trend nahezu unberührt geblieben ist, sind die Senioren über 65 Jahre. Ihr Anteil an Wohneigentümern sank nur marginal von 90,1 % im Jahr 2012 auf 88,6 % im Jahr 2024. Wie zu erwarten, haben die allermeisten in dieser Altersgruppe (82,3 %) ihr Eigenheim vollständig abbezahlt.

Die Verschiebung der Käuferstruktur: Ausländer auf dem Vormarsch

Ein Blick auf die Art der Käufer zeigt zwei klare Tendenzen. Erstens nimmt die Zahl der von juristischen Personen wie Unternehmen und Investmentfonds erworbenen Immobilien ab. Zweitens steigt der Anteil ausländischer Käufer stetig an.

Im Jahr 2011 wurden 82 % der Häuser von spanischen Privatpersonen, 5,2 % von Ausländern und 12,8 % von juristischen Personen gekauft. Die Prognose für 2025 zeigt ein anderes Bild: 76,9 % der Käufe entfallen auf Einheimische, aber bereits 12,6 % auf ausländische Käufer. Das Gewicht der internationalen Investoren hat sich also mehr als verdoppelt, während der Anteil juristischer Personen auf einen der niedrigsten Stände seit 2011 gefallen ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der jahrzehntelang gefestigte Trend des Wohneigentums in Spanien gebrochen ist. Das Land entfernt sich von der Vision einer Gesellschaft, in der über 80 % der Bürger ein Eigenheim besitzen, und steuert auf eine Zukunft zu, in der Mieten zur Norm und Eigentum für immer mehr Menschen, insbesondere für die jüngeren Generationen, zu einem unerreichbaren Luxus wird.


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