Spaniens Regierung widerruft Huawei-Deal

174
Huawei in Spaniens Sicherheitssystemen: Ein tickende Zeitbombe?
Bild: KI

Spanien hat einen geplanten Vertrag zur Verbesserung seiner öffentlichen Glasfasernetzwerke, der eine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen chinesischen Technologieriesen Huawei vorsah, kurzfristig gekündigt. Das Ministerium für Digitale Transformation, unter der Leitung von Óscar López, hat diese Entscheidung aus “Gründen der digitalen Strategie und der strategischen Autonomie” getroffen, wie eine Sprecherin gegenüber der Zeitung Cinco Días bestätigte. Diese Maßnahme folgt nur wenige Wochen, nachdem bekannt wurde, dass ein anderer Regierungsauftrag im Wert von 12,3 Millionen Euro für die Verwaltung von Abhörprotokollen an Huawei vergeben wurde.

Die Hintergründe des Deals mit Huawei

Der ursprünglich geplante Auftrag, der von der staatlichen Einrichtung Red.es vergeben wurde, sah die Installation von Huawei-Geräten der neuen Generation im öffentlichen Glasfasernetzwerk RedIRIS vor. Dieses Netzwerk erstreckt sich über 16.000 Kilometer in ganz Spanien und verbindet rund fünf Millionen Fachkräfte an Universitäten, Forschungszentren und Militärakademien. Der Vertrag, im Wert von 10 Millionen Euro, war Teil einer Verlängerung einer früheren Vereinbarung aus dem Jahr 2020. Ziel war es, die IP-Konnektivität von 100 Gbit/s auf 400 Gbit/s zu erhöhen, um dem rasanten Datenverkehr gerecht zu werden, der durch Supercomputing-Projekte, massive Datentransfers und neue Dienstleistungen im Bereich Cybersicherheit angetrieben wird. Die ursprüngliche Entscheidung für Huawei wurde damit begründet, dass das bestehende Netzwerk bereits mit deren Technologie betrieben wird.

Geopolitische Bedenken und Sicherheitsrisiken

Der Rückzieher der Regierung erfolgt nur eine Woche nach neuen Warnungen der Vereinigten Staaten vor potenziellen Sicherheitsrisiken bei Verträgen mit Huawei. Die US-Regierung wirft dem chinesischen Unternehmen seit 2019 vor, der chinesischen Regierung potenziellen Zugriff auf sensible interne Daten zu gewähren. Auch die Europäische Union hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, 5G-Ausrüstung von Huawei zu meiden, obwohl Spanien, im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland, Schweden oder dem Vereinigten Königreich, kein offizielles Veto gegen den Anbieter als “Risikolieferanten” verhängt hat.

Die Absage des Vertrags, die noch nicht offiziell auf der Beschaffungsplattform des öffentlichen Sektors vermerkt ist und auch Telefónica noch nicht formell mitgeteilt wurde, unterstreicht die wachsende Bedeutung von strategischer Autonomie im digitalen Bereich. Die Regierung zieht damit eine klare Grenze zwischen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen, insbesondere in Bezug auf kritische Infrastrukturen, die auch das Verteidigungsministerium betreffen.


Du möchtest immer die neuesten Nachrichten aus Spanien?
Abonniere unseren Newsletter