Nach dem Feuer die Flut: Spanien fürchtet extreme Regenfälle nach Rekordsommer

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Nach dem Feuer die Flut
Bild: KI

Spanien durchlebt eine dramatische meteorologische Wende. Einem Sommer der Superlative, geprägt von der intensivsten Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen und verheerenden Waldbränden, folgt nun die Sorge vor einem Herbst mit extremen Unwettern. Der Sturm “Erin”, ein Überbleibsel eines atlantischen Hurrikans, hat bereits mit voller Wucht zugeschlagen und weite Teile des Landes in Alarmbereitschaft versetzt.

Ein Sommer der Extreme hinterlässt Spuren

Der klimatologische Sommer, der nun zu Ende geht, hat das Land an seine Grenzen gebracht. Wochenlange Hitzewellen ließen die Thermometer in vielen Provinzen auf Rekordwerte klettern. Gleichzeitig erreichte das Mittelmeer ungewöhnlich hohe Temperaturen, was die extreme Hitze weiter verstärkte. Die Folge dieser Trockenheit und Hitze waren verheerende Waldbrände, insbesondere in Galicien, Asturien sowie Kastilien und León. Mehr als 400.000 Hektar Land fielen den Flammen zum Opfer, Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Experten sehen darin eine Bestätigung für den Trend zu immer heißeren und trockeneren Sommern.

Sturm “Erin” bringt Zerstörung und eine abrupte Abkühlung

Die Ankunft der Überreste des Hurrikans “Erin” markierte eine Zäsur. Obwohl das Phänomen als Sturm auf die Iberische Halbinsel traf, reichte seine Kraft aus, um eine Phase landesweiter Instabilität auszulösen. Die staatliche Wetteragentur Aemet rief für Mallorca, Menorca, Barcelona, Girona und Castellón die orangefarbene Warnstufe aus. In Katalonien fielen bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter in nur einer Stunde, begleitet von Hagel und orkanartigen Böen. In Aragon richtete der Hagel massive Schäden an Dächern, Autos und vor allem in den Weinbergen an, kurz bevor die Ernte beginnen sollte. Schätzungen zufolge wurden 75 Prozent der Obst- und Mandelernte vernichtet.

Die Auswirkungen trafen auch den Flugverkehr hart. Am Flughafen von Palma de Mallorca gab es hunderte Annullierungen und Verspätungen. Auch in Menorca und Barcelona kam es zu erheblichen Einschränkungen im Flugbetrieb. Gleichzeitig sorgte der Sturm für einen deutlichen Temperatursturz im ganzen Land.

Experten warnen: Ein warmer und nasser Herbst steht bevor

Obwohl sich die Lage am Wochenende beruhigen soll, warnen Meteorologen, dass dies nur ein Vorgeschmack auf einen sehr unbeständigen Herbst sein könnte. Der Klimatologe Samuel Biener von Meteored prognostiziert für die kommenden Monate in ganz Spanien überdurchschnittlich hohe Temperaturen, mit Abweichungen von bis zu 1°C über dem Normalwert.

Besonders besorgniserregend ist die Prognose für die Niederschläge. Während der Westen der Halbinsel eher trocken bleiben könnte, deuten die Modelle für den Mittelmeerraum auf einen nassen und instabilen Herbst hin. Das im Sommer aufgeheizte Mittelmeerwasser ist ein gigantischer Energiespeicher. Trifft diese Wärme auf einströmende Kaltluft, können explosive Wetterlagen entstehen, sogenannte “DANAs” (Gota Fría). “Die Karten deuten auf die mögliche Bildung von blockierenden Antizyklonen hin, was das Auftreten von DANAs begünstigt”, erklärt Biener. Die Erinnerung an die tödlichen Überschwemmungen in Valencia 2024 ist noch frisch.

Laura Martínez, Meteorologin bei Aemet in Valencia, betont die erhöhte Gefahr: “Da das Meer so warm ist, ist das Risiko von sintflutartigen Regenfällen im Falle eines gut konfigurierten Tiefs hoch.” Sie warnt, dass sich solche Wetterlagen oft plötzlich entwickeln und schwer präzise vorherzusagen sind. Die Bevölkerung wird dringend dazu aufgerufen, die offiziellen Wetterwarnungen zu verfolgen und die Gefahr nicht zu unterschätzen.


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