Glovo droht mit der Einstellung der Geschäftstätigkeit in Spanien aufgrund von Geldstrafen für sein Arbeitsmodell

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Glovo Spanien
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Die Zukunft des bekannten Lieferdienstes Glovo in Spanien steht auf der Kippe. Eine Welle von Bußgeldern und Nachforderungen der spanischen Sozialversicherung in Millionenhöhe könnte das Unternehmen zur Geschäftsaufgabe zwingen. Der deutsche Mutterkonzern Delivery Hero hat bereits die finanzielle Belastbarkeit von Glovo infrage gestellt.

Vom Gesetz eingeholt: Das spanische Reitergesetz und seine Folgen

Im Zentrum des Konflikts steht das sogenannte spanische Reitergesetz, das die Einstufung von Lieferfahrern als Angestellte und nicht als Selbstständige vorschreibt. Die Sozialversicherung hat Glovo per 31. Juli 2025 zur Zahlung von 450 Millionen Euro aufgefordert. Diese Summe setzt sich aus ausstehenden Sozialversicherungsbeiträgen und Strafen zusammen. Das Unternehmen selbst befürchtet, dass die endgültigen Kosten sogar zwischen 562 und 923 Millionen Euro liegen könnten.

Glovo argumentiert, dass sein Geschäftsmodell, das nach der Einführung des Reitergesetzes im August 2021 angepasst wurde, die Autonomie der Lieferfahrer weiterhin gewährleiste. Trotzdem beharrt die Sozialversicherung auf der Neueinstufung.

Drohende Schließung und die Reaktion des Mutterkonzerns Delivery Hero

In einem aktuellen Ergebnisbericht warnt Delivery Hero, dass Glovo die geforderten Zahlungen ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung nicht leisten könne. Dies führt zu “erheblicher Unsicherheit hinsichtlich der Fähigkeit von Glovo Spanien, den Unternehmensbestand fortzuführen”. Dennoch will Glovo die Gerichtsentscheidungen nicht akzeptieren und kündigt an, den Status seiner Fahrer vor allen rechtlichen Instanzen zu verteidigen.

Rechtliche Grauzone und unlauterer Wettbewerb

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die globale Debatte um die Plattformarbeit. Delivery Hero vertritt die Position, dass die Merkmale dieser neuen Arbeitsform nicht den herkömmlichen Definitionen von Angestellten entsprechen. Der Konzern betont, dass die rechtliche Unsicherheit vor allem in Europa und Lateinamerika besteht.

Interessanterweise wurde eine ähnliche Klage von Konkurrent Just Eat wegen angeblich unlauteren Wettbewerbs von einem Gericht in Barcelona bereits abgewiesen. Der Richter sah in der damaligen Rechtsprechung kein Fehlverhalten seitens Glovo, da das Unternehmen “im Rahmen des Gesetzes” gehandelt habe und die Verträge der Fahrer die Selbstständigkeit garantierten.

Finanzielle Einbußen bei Delivery Hero

Trotz der Probleme in Spanien verzeichnete der Mutterkonzern Delivery Hero im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 7,185 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 18,9 % entspricht. Dennoch hat das Unternehmen seine Prognosen für das bereinigte Bruttobetriebsergebnis (EBITDA) für 2025 leicht nach unten korrigiert. Der Fall Glovo könnte diese finanzielle Entwicklung weiter beeinflussen.


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