Der große Spanien-Überlebensguide

Ein 46-jähriger spanischer Geschäftsmann ist in Tibi im Hinterland der Provinz Alicante von der Guardia Civil festgenommen worden. Die Ermittler bringen ihn mit einem mutmaßlichen Betrugssystem im Zusammenhang mit dem Verkauf und Umbau von Wohnmobilen in Verbindung. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Käufer aus verschiedenen Regionen Spaniens hohe Anzahlungen für Fahrzeuge geleistet haben, die weder umgebaut noch ausgeliefert wurden.

Nach Angaben der Ermittler wurden mindestens zehn Personen geschädigt. Angeboten wurden überwiegend Transporter, die zu voll ausgestatteten Campern umgebaut werden sollten. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei rund 20.000 Euro. Mehrere Käufer überwiesen mehr als die Hälfte des Kaufpreises im Voraus.

Ermittlungen nach erster Anzeige

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Anzeige, die am 16. Juni bei der Guardia Civil in Ibi einging. Eine Frau gab an, im September 2024 über eine Kleinanzeigenplattform einen Transporter für 18.000 Euro gekauft und 11.000 Euro angezahlt zu haben. Die Auslieferung des vollständig umgebauten Fahrzeugs war für November vorgesehen. Stattdessen erhielt sie über Monate hinweg immer neue Vertröstungen.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Beamten auf eine Werkstatt, in der der Verdächtige Stellplätze angemietet hatte. Dort wurden acht Transporter gefunden. Nach Angaben der Ermittler wies keines der Fahrzeuge Umbauarbeiten auf. Mehrere aus Deutschland importierte Fahrzeuge waren weiterhin auf frühere deutsche Eigentümer zugelassen. Zudem besteht der Verdacht, dass einzelne Fahrzeuge gleichzeitig an mehrere Käufer verkauft worden sein könnten.

Beschwerden aus mehreren Regionen Spaniens

Im weiteren Verlauf meldeten sich weitere mutmaßlich Geschädigte aus Granada, den Balearen, Navarra und Sevilla. Nach Angaben der Ermittler ähnelten sich die Vorgehensweisen: Es wurden Umbauten zugesagt, Anzahlungen entgegengenommen und die Fahrzeuge anschließend nicht ausgeliefert.

Die vorgelegten Verträge sollen teilweise weder unterschrieben noch datiert gewesen sein und keine verbindlichen Liefertermine enthalten haben. Außerdem sollen Zahlungen auf Konten erfolgt sein, die nicht auf den Namen des Verdächtigen liefen.

Bereits zuvor bestanden Haftbefehle der Gerichte in Ayamonte (Huelva) und Granollers (Barcelona) wegen ähnlicher mutmaßlicher Betrugsfälle. Nach rund einem Monat Ermittlungsarbeit wurde der Mann am 16. Juli in Tibi festgenommen. Das Verfahren wird vom Ermittlungsgericht Nr. 2 in Ibi geführt. Der Beschuldigte kam unter Auflagen wieder auf freien Fuß.

Boom bei Campern lockt Betrüger an

Mit der steigenden Nachfrage nach Wohnmobilen wächst nach Einschätzung von Ermittlern und Verbraucherschützern auch das Risiko betrügerischer Angebote auf dem Gebrauchtmarkt. Das Fernsehmagazin „Equipo de Investigación“ des Senders laSexta berichtete im Juni über ähnliche Fälle.

Mehrere Betroffene schilderten dort, dass sie hohe Anzahlungen für Fahrzeuge oder Umbauten geleistet hätten, ohne jemals ein fertiges Wohnmobil zu erhalten. Die in der Sendung geschilderten Fälle stehen nach Angaben des Berichts unabhängig von den Ermittlungen in Tibi, weisen jedoch ähnliche Muster auf.

Wer in Spanien einen gebrauchten Transporter oder ein Wohnmobil erwerben möchte, sollte das Fahrzeug vor dem Kauf persönlich besichtigen, Fahrzeugidentität und Zulassungsunterlagen sorgfältig prüfen sowie ausschließlich auf Grundlage eines datierten und unterschriebenen Vertrags zahlen. Überweisungen auf Konten Dritter gelten als erhebliches Warnsignal.

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