Der große Spanien-Überlebensguide

Mehrere riesige Blauflossenthunfische sind innerhalb kurzer Zeit an den Stränden von Torrevieja, Orihuela Costa und Pilar de la Horadada angespült worden. Die rund 300 Kilogramm schweren Tiere wurden am vergangenen Wochenende unter anderem in der Bucht von El Palangre, am Strand Los Locos, an der Promenade Juan Aparicio sowie am Strand Mil Palmeras entdeckt. Für die Bergung mussten Kräne und Lastwagen eingesetzt werden.

Strömungen führen Kadaver an die Küste

Als wahrscheinlicher Ursprung gelten die großen Offshore-Mastanlagen für Blauflossenthunfisch vor der Küste von San Pedro del Pinatar und El Gorguel in der Region Murcia. Nach Einschätzung von Experten können die Almería-Balearen-Strömung sowie östliche Winde die Kadaver bis an die Strände der südlichen Provinz Alicante treiben.

Die toten Tiere wurden von den zuständigen kommunalen Diensten, der örtlichen Polizei sowie beauftragten Unternehmen entfernt, bevor zahlreiche Badegäste die Strände erreichten.

Warum die Tiere so groß sind

Blauflossenthunfische werden während ihrer Wanderung lebend gefangen und anschließend in schwimmenden Käfigen gemästet. Dort verbringen sie mehrere Monate und werden überwiegend mit gefrorener Makrele, Hering und anderen Fischen gefüttert. Durch diese intensive Mast erreichen viele Tiere deutlich höhere Gewichte als in freier Wildbahn.

Während die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein typisches Gewicht von 150 bis 200 Kilogramm nennt, können in den Mastanlagen Spaniens, Italiens und Maltas Exemplare von bis zu 600 Kilogramm heranwachsen. Die nun an der Küste angespülten Tiere mit rund 300 Kilogramm liegen im oberen Durchschnitt dieser Produktionsform.

Stress als möglicher Risikofaktor

Der Blauflossenthunfisch zählt zu den leistungsfähigsten Raubfischen der Welt. Er erreicht Geschwindigkeiten von über 70 Stundenkilometern und besitzt die Fähigkeit, seine Körpertemperatur teilweise über der Umgebungstemperatur des Wassers zu halten.

Während Fang, Transport und Umsetzen zwischen verschiedenen Käfigen stehen die Tiere jedoch unter erheblichem Stress. Verletzungen, Sauerstoffmangel, Krankheiten oder Schäden an den Netzen können zu Todesfällen führen. Werden tote Tiere nicht rechtzeitig geborgen, können sie durch Wind und Meeresströmungen an die Küste treiben.

Wiederkehrendes Phänomen

Bereits nach der DANA-Katastrophe im Jahr 2019 gelangten infolge beschädigter Mastkäfige zahlreiche Blauflossenthunfische ins offene Meer. Damals wurden an den Küsten von La Manga sowie im Süden der Provinz Alicante zahlreiche tote Tiere angespült.

Nach Angaben des Unternehmens Grupo Ricardo Fuentes e Hijos wurden anschließend rund fünf Millionen Euro in die Verstärkung der Anlagen investiert. Umweltorganisationen und die Plattform Pacto por el Mar Menor weisen dennoch seit Jahren auf wiederholt auftretende tote Thunfische an den Küsten Murcias hin und fordern Untersuchungen zu den Ursachen der Sterblichkeit.

Vorsicht beim Verzehr

Fachleute warnen davor, angespülte Thunfische zu verwerten. Nach dem Tod beginnt die bakterielle Zersetzung des Fleisches, wodurch Histamin entsteht. Dieser Stoff wird durch Kochen nicht zerstört und kann gesundheitliche Beschwerden verursachen.

Spanien erhöht Fangquote

Spanien fing im Jahr 2026 insgesamt 7.938,81 Tonnen Blauflossenthunfisch und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Grundlage dafür ist die Anhebung der zulässigen Gesamtfangmenge durch die Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) für den Zeitraum 2026 bis 2028.

Die Aquakulturbranche verweist auf Studien, nach denen gezüchteter Blauflossenthunfisch einen höheren Anteil herzgesunder Fettsäuren aufweisen soll als wild gefangene Exemplare.

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