Die Lage an der Küste von Ceuta spitzt sich dramatisch zu. Hunderte von Migranten, oft Minderjährige, versuchen täglich, von Marokko aus schwimmend spanisches Territorium zu erreichen. Die Guardia Civil, zuständig für die Abwehr dieser “Schwimmer”, ist nach eigenen Angaben am absoluten Limit ihrer Kapazitäten. In der letzten Woche wurden fast 700 Versuche gezählt, was einem Durchschnitt von 100 pro Tag entspricht.
Gefährliche Überfahrten und fehlende Ressourcen
Die Migranten nutzen den dichten Nebel und den Ostwind, um sich unbemerkt auf den Weg zu machen. Meist klammern sie sich an behelfsmäßige Schwimmhilfen und stürzen sich vom Strand von Fnideq oder Belyounech ins Meer. Die spanischen Behörden, insbesondere die Wärmebildkamerateams der Guardia Civil, spielen eine entscheidende Rolle bei der Ortung dieser Personen. Sie leiten die Informationen an die marokkanische Marine weiter, die sich dann um die Abgefangenen kümmert.
Das Hauptproblem ist der Mangel an adäquaten Mitteln auf spanischer Seite. Laut Gewerkschaften der Guardia Civil in Ceuta riskieren die Beamten täglich ihr Leben, da es an geeigneten Booten und Ausrüstung mangelt. Rachid Sbihi, Generalsekretär der AUGC, kritisiert die Regierung scharf: “Wir wollen keine Glückwünsche von Politikern in den sozialen Netzwerken, sondern Aktionen, die unsere Arbeit verbessern.” Trotz der Verschärfung der Lage wurden die geforderten 200 zusätzlichen Beamten vom Innenministerium nicht bereitgestellt.
Politische Spannungen und humanitäre Krise
Die wachsende Zahl der Ankünfte, die seit dem letzten Jahr zugenommen hat, belastet die Infrastruktur von Ceuta enorm. Die Migrationsstatistik des Innenministeriums zeigt, dass in diesem Jahr bereits 1.721 Menschen über den Landweg nach Ceuta gelangten – eine Steigerung von 7,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der über See Ankommenden ist hierbei nicht einmal enthalten.
Die Situation hat auch eine politische Komponente. Einige Beamte der Guardia Civil sehen in der angeblich unzureichenden Reaktion Marokkos auf das Phänomen eine politische Strategie. Sie werfen dem Nachbarland vor, den Migrationsdruck aufrechtzuerhalten, um die Beziehungen zu Spanien zu beeinflussen. Andere Quellen betonen hingegen die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und die Bemühungen Marokkos, die Situation zu bewältigen. Die menschlichen Kosten sind hoch: Bisher sind 23 Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben gekommen.
Ceuta ruft Notstand aus
Angesichts der Überlastung der Aufnahmezentren hat die Regierung von Ceuta den Antrag auf Ausrufung einer “außergewöhnlichen Migrationssituation” formalisiert. Nach dem neuen Einwanderungsgesetz soll dies eine gemeinsame Reaktion der restlichen spanischen Regionen ermöglichen, um die Versorgung der Minderjährigen sicherzustellen. Ceuta beherbergt derzeit 520 ausländische Kinder, obwohl die reguläre Kapazität nur 27 Plätze beträgt. Auch das Aufenthaltszentrum für Erwachsene (CETI) ist mit 930 Personen völlig überfüllt.
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