In 4.632 spanischen Gemeinden gibt es keinen einzigen Supermarkt, in dem man Lebensmittel kaufen kann

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In 4.632 spanischen Gemeinden gibt es keinen einzigen Supermarkt, in dem man Lebensmittel kaufen kann
Bild: KI

Das Leben im ländlichen Spanien, oft als “leeres Spanien” bezeichnet, ist weit entfernt von der Vorstellung idyllischer Dorfromantik. Es ist ein täglicher Kampf, geprägt von der Knappheit grundlegender Dienstleistungen und sozialer Möglichkeiten. Eine der drängendsten Herausforderungen ist die mangelnde Verfügbarkeit von Lebensmittelläden. Für Tausende von Spaniern bedeutet der Wocheneinkauf eine echte Odyssee.

Aktuellen Berichten zufolge haben 4.632 der 8.132 spanischen Gemeinden keinen einzigen Supermarkt. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Gemeindegebiets. Wer in diesen Orten lebt, muss oft weite Wege in Kauf nehmen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Dies betrifft vor allem ältere Menschen und jene ohne eigenes Fahrzeug, die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Die logistischen Hürden sind enorm und machen selbst alltägliche Aufgaben zu einer kräftezehrenden Angelegenheit.

Lichtblicke in der Verteilung: Eine beeindruckende Abdeckung trotz allem

Trotz dieser alarmierenden Zahlen gibt es auch eine positive Nachricht: Laut dem IV. Bericht über die lokale Lebensmittelverteilung in Spanien, erstellt vom spanischen Verband der Händler, Selbstbedienungsunternehmen und Supermärkte (Asedas) und Retail Data, leben beeindruckende 96,8 % der spanischen Bevölkerung in Gemeinden mit mindestens einem Lebensmittelgeschäft.

Dieser hohe Prozentsatz ist das Ergebnis der anhaltenden Anstrengungen des Vertriebssektors. Trotz der schwierigen Bedingungen und der oft geringen Bevölkerungsdichte in ländlichen Gebieten haben es die Supermarktketten geschafft, eine bemerkenswerte Abdeckung aufrechtzuerhalten. Dies zeigt die Anpassungsfähigkeit und das Engagement der Branche, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, selbst wenn es wirtschaftlich und logistisch eine Herausforderung darstellt.

Der Supermarkt-Boom: Wachstum trotz ländlicher Engpässe

Paradoxerweise erlebt Spanien gleichzeitig ein unaufhaltsames Wachstum im Supermarktsektor. Im Jahr 2024 verzeichnete das Land insgesamt 25.585 Selbstbedienungsgeschäfte, Supermärkte und Verbrauchermärkte. Das entspricht einem Nettozuwachs von 352 Betrieben im Vergleich zum Vorjahr, mit insgesamt 778 Neueröffnungen.

Das Supermarktformat bleibt dabei das erfolgreichste, gefolgt von Selbstbedienungsgeschäften, die sich nach einem Rückgang im Vorjahr wieder erholen. Dieses Wachstum konzentriert sich jedoch erwartungsgemäß auf die größeren Städte und Ballungsräume, wo die Kundenfrequenz und die Rentabilität höher sind.

Die Schere zwischen städtischem Wachstum und ländlicher Knappheit wird somit immer größer. Während die Städte eine immer dichtere Versorgung genießen, kämpfen die Menschen im leeren Spanien weiterhin mit den fundamentalen Herausforderungen des täglichen Lebens. Es bleibt eine zentrale Aufgabe für Politik und Wirtschaft, Lösungen zu finden, die nicht nur das wirtschaftliche Wachstum fördern, sondern auch die Lebensqualität in den vernachlässigten Regionen Spaniens verbessern.


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